Cicero spricht in diesem Kapitel vom decorum (vom Schicklichen oder moralisch Gebotenen). Mit welcher der vier Kardinaltugenden hat es laut dem einleitenden Abschnitt 1, 93 vor allem zu tun?
Mit der Mäßigung (moderatio).
Wie handelt ein Mensch korrekt, wenn er das tut, was sicht ziemt (decet), was also dem decorum entspricht? (Zu 1, 94)
Er handelt überlegt, d. h. er denkt nach und lässt sich von der Vernunft leiten.
Gerechtes Handeln ist immer auch ehrenhaft, es entspricht dem honestum und damit dem decorum. Sieht Cicero das so? (Zu 1, 94)
Ja, gerechtes Handeln ist immer auch ehrenhaft.
Soll das Ehrenhafte oder Schickliche sichtbar sein oder soll es im Verborgenen bleiben? (Zu 1, 95)
Es soll sichtbar sein (in promptu).
Das Ehrenhafte gibt es auch bei bestimmten Tieren; der Mensch soll sich hier den guten Vorbildern der Tierwelt anpassen. Sieht Cicero das so? (Zu 1, 96)
Nein, das Schickliche oder Ehrenhafte soll mit denjenigen Fähigkeiten des Menschen übereinstimmen, in denen er den Tieren überlegen ist.
In den Abschnitten 1, 97 und 1, 98 vergleicht Cicero die Rollen (personae), welche die Dichter in ihren Theaterstücken erfinden, mit der Rolle, die wir im Leben spielen. Sagt er, dass wir im Leben verschiedene Rollen ausprobieren sollen?
Nein, dieser Gedanke kommt hier nicht vor; Cicero sagt das also nicht.
Die Dichter erfinden verschiedene Charaktere, also auch unehrenhafte, verwerfliche, wir aber sollen der Natur folgen und einen Charakter entwickeln, welcher der Mäßigung (temperantia, modestia) entspricht. Sieht Cicero das so?
Ja, das sieht Cicero so.
Sollen wir in unserem Handeln die Billigung oder Zustimmung (approbatio) der Mitmenschen anstreben, also darauf achten, dass unser Handeln den anderen gefällt, oder soll das für uns keine Rolle spielen? (Zu 1, 98)
Ja, wir sollen darauf achten, dass unser Handeln die Billigung (approbatio) der Mitmenschen erfährt.